Leitbild Pädagogische Angebote

1. Vorwort

Mit diesem Leitbild wollen wir einen Einblick in unsere Arbeit besonders im pädagogischen Bereich geben. Unsere Angebote stellen keine bloße Beschäftigung dar, sondern bauen auf unserem Verständnis von Pädagogik, Umwelt und Landwirtschaft auf. Dieses Leitbild dient sowohl als Begründung als auch als Grundlage unserer Arbeit. Gemeinsam möchten wir für die Kinder Erlebensräume schaffen und ihnen nebenbei unsere tägliche Arbeit näher bringen.

 

 

Seit 1997 betreibt Christine Lippner gemeinsam mit Gerhard den Taisersdorfer Schafhof und leitet die Käserei. Im pädagogischen Bereich sind ihre Schwerpunkte die Lernortvormittage mit Kindergärten und Schulen.

 


 

 

Gerhard Lippner ist in erster Linie für die Schafhaltung, Weidewirtschaft und die Milch-gewinnung verantwortlich. Außerdem leitet er sämtliche Bauarbeiten auf dem Hof. Den Kindern zeigt er gerne das Melken und den Umgang mit den Schafen.

 


 

 

 

Anna Lippner studiert im 7. Semester Kindheits-pädagogik und schreibt an ihrer Bachelorarbeit. Auf dem Hof betreut sie alle Tiere, die bei der pädagogischen Arbeit zum Einsatz kommen und ist verantwortlich für sämtliche pädagogischen und tiergestützten Angebote.

 


 

 

Ida Bröggelhoff, Schülerin an der Waldorfschule, kennt den Hof seit frühester Kindheit und arbeitet zunehmend selbständig im Team mit Anna.

Sie arbeitet viel mit den Ponys und bei den Kindertagen ist sie eine wertvolle Unterstützung.

 


2. Grundgedanken

       In der Landwirtschaft ist uns ökologisches und

     nachhaltiges Handeln besonders wichtig. Aus diesem Grund ist unser Betrieb BIOLAND zertifiziert. Diese Werte sollen sich auch in unseren pädagogischen Angeboten wider-spiegeln. Daneben sollen die Bedürfnisse des einzelnen Kindes berücksichtigt werden und es soll die Möglichkeit bekommen durch sinnvolles Tun Selbstwirksamkeitserfahrungen zu machen. Zudem ist es uns selbst-verständlich ein besonderes Anliegen den Kindern durch den direkten Kontakt Natur, Tiere und Landwirtschaft zu vermitteln.


3. Landwirtschaft und Tierhaltung

 

Den sieben Prinzipien für die Landwirtschaft der Zukunft, die Bioland zusammengestellt hat, fühlen wir uns besonders verpflichtet:

 

Bioland-Prinzip 1: Im Kreislauf wirtschaften

              Bioland-Prinzip 2: Bodenfruchtbarkeit fördern

              Bioland-Prinzip 3: Tiere artgerecht halten

              Bioland-Prinzip 4: Wertvolle Lebensmittel erzeugen

              Bioland-Prinzip 5: Biologische Vielfalt fördern

              Bioland-Prinzip 6: Natürliche Lebensgrundlagen bewahren

              Bioland-Prinzip 7: Menschen eine lebenswerte Zukunft sichern

  

Ganz besonderes Augenmerk richten wir auf die artgerechte Haltung aller Tiere, die bei uns auf dem Schafhof leben. Auch die Tiere, die wir in erster Linie im pädagogischen Bereich einsetzen, sollen ihren eigenen speziell angepassten Lebensraum vorfinden, der sich nach ihren artgerechten Bedürfnissen richtet. Vergesellschaftung – wie in Streichelzoos üblich – halten wir nicht für angemessen. Weiterhin achten wir insbesondere bei den Tieren, die mit uns in der tiergestützten Pädagogik arbeiten, auf eine umfassende Ausbildung, so dass der Umgang mit den Kindern weitgehend gefahrlos ablaufen kann.

4. Kindertage

 

Bei unseren Kindertagen verfolgen wir verschiedene pädagogische Ziele. Durch einen möglichst freien Zugang zu den Tieren, sollen den Kindern eigene Erfahrungen ermöglicht werden. Dadurch können sie das Verhalten der Tiere erleben und ihre Bedürfnisse verstehen lernen. Zum Beispiel zeigen die Ponys beim Putzen durch häufiges Zappeln und Anstupsen, dass sie eine Pause brauchen. Die Kinder bekommen hier die Möglichkeit Empathie zu entwickeln, ohne dass ein direktes Einwirken Erwachsener nötig wäre.

 

Zum Kennenlernen der Tiere gehört aber selbstverständlich auch deren tägliche Pflege wie füttern, tränken und ausmisten. Wichtig ist uns, dass die Kinder durch eine sinnvolle und echte Arbeit ihre eigenen Fähigkeiten entdecken. Dabei geht es nicht um Quantität und Qualität der Arbeit, sondern allein um die individuellen Erfahrungen der Kinder. Das Ergebnis ist direkt erleb- und sichtbar und bietet dadurch zusätzliche Bestätigung. Oft entwickeln sich während der Stallarbeit auch Teams, welche sich gegenseitig unterstützen und auch unbekannte Kinder miteinander bekannt macht.

 

Die oben genannten Tätigkeiten bieten darüber hinaus eine Vielzahl sinnlicher und motorischer Erfahrungsmöglichkeiten, welche für die kindliche Entwicklung zentral sind. Zudem geben die Tiere den Kindern eine unmittelbare Rückmeldung über ihr Verhalten, sie halten den Kindern quasi einen Spiegel vor. Oft genügen dann kleine Anregungen, um den Kindern zu zeigen, dass das Verhalten der Tiere aus ihrem eigenen resultiert. Bei einer Verhaltensänderung bekommen die Kinder anschließend eine sofortige Rückmeldung durch das Tier. Diese Spiegelung hilft zum Beispiel lauten und/oder unruhigen Kindern zur Ruhe zu kommen.

 

Spielerisch sollen die Kinder nebenbei fundiertes Wissen über artgerechte Tierhaltung, nachhaltige Landwirtschaft und Lebensmittelherstellung erwerben. Da das Wissen in diesen Bereichen insgesamt abnimmt, ist es uns ein besonderes Anliegen junge Menschen für unsere Arbeit zu begeistern. Nur durch gesellschaftliche Wertschätzung und Unterstützung wird ökologische Landwirtschaft und artgerechte Tierhaltung zukunftsfähig sein.

 

Unsere Kindertage haben je nach Jahreszeit, Wetter und Kinderanzahl unterschiedliche Themen und Abläufe. Es gibt die Möglichkeit den Tag auf dem Hof zu verbringen, ein Picknick mit Ponykutsche im Wald zu machen oder für einen kurzen Ausflug mit den Ponys zum nahe gelegenen Spielplatz zu laufen. Exemplarisch stellen wir im Folgenden einen Ablauf dar und erläutern diesen kurz. 

Während der Anmeldung bieten wir den Kindern die Möglichkeit, die Schweine zu füttern. Dies ermöglicht den Kindern anzukommen und verkürzt die Zeit bis zum Beginn. Wer möchte und sich traut darf in das Gehege klettern, beim Befüllen der Suhle helfen oder die Schweinchen bürsten. 

Anschließend stellen die Betreuer sich in einer gemeinsamen Runde vor und erläutern kurz den Tagesablauf, damit die Kinder sich darauf einstellen können. 

In der Regel werden dann die Pferde und Esel ausgemistet, mit Heu gefüttert und das Wasser frisch gemacht. Nach Bedarf werden Ponys oder Esel auf die Weide gebracht. 

Gemeinsam wird dann das Mittagessen zubereitet, mehr dazu im nächsten Abschnitt. Nach einer kurzen Mittagspause holen die Kinder unsere Minishettys zum Putzen und Zöpfe flechten, parallel dürfen die Kinder Ponyreiten. Anschließend gibt es einen kleinen Nachmittagssnack und je nach Uhrzeit unternehmen wir einen  Ausflug mit den Ponys. Bei der Abholung haben die Kinder noch die Möglichkeit ihren Eltern oder Geschwistern den Hof und die Tiere zu zeigen. 

 

Zwei wichtige Anliegen, welche wir hier noch thematisieren möchten sind der Umgang mit den Tieren und der Umgang bzw. die Herstellung der Lebensmittel. 

Das Tierwohl steht bei uns an erster Stelle. Eine artgerechte Haltung mit Kontakt zu Artgenossen und ausreichend Platz sowie angemessener Fütterung sind Grundvoraussetzung für ein zufriedenes Tier und eine angenehme Zusammenarbeit. Trotz bester Voraussetzungen gibt es Tage, an denen einzelne Tiere Ruhe oder das andere Extrem, mehr Bewegung brauchen als die Arbeit mit den Kindern zulässt. Den Bedürfnissen der Tiere gerecht zu werden und auf ihre Eigenheiten Rücksicht zu nehmen ist uns ein großes Anliegen, bietet gleichzeitig aber auch wieder Lernmöglichkeiten für die Kinder. Auch wenn das Bedürfnis groß ist ein Tierkind zu streicheln oder ein bestimmtes Pony zu bürsten, steht doch dessen Wohl an erster Stelle.

    Den Umgang mit Lebensmitteln versuchen wir nachhaltig, wertschätzend und achtsam zu gestalten. Wir bauen mit den Kindern eigenes Gemüse im Hochbeet an und ernten dieses für unsere Mahlzeiten. Den Kindern wird dadurch der Jahreskreislauf erlebbar gemacht, besonders findet dies in unseren Jahreskursen statt (sh. unten). Zum Mittagessen gibt es, was sich in dieser Jahreszeit anbietet. Im Sommer grillen wir oft, im Herbst gibt es Suppe auf dem Feuer gekocht oder wir backen in unserem Holzbackofen.

 

Als Bioland-Betrieb, der neben Joghurt und Käse, auch Lammfleisch und Schafwurst erzeugt, haben wir uns entschlossen die Verpflegung der Kindertage nicht rein vegetarisch zu gestalten. Allerdings ist uns ein moderater Fleischkonsum wichtig. Wenn wir grillen gibt es zum Beispiel eine Demeter Wurst pro Kind, Brot und Gemüse gibt es dagegen zur freien Verfügung. Den Nachmittagssnack versuchen wir, wenn zeitlich möglich, mit den Kindern selbst zuzubereiten.

Wir bitten alle Eltern, vorausgesetzt es liegen keine Allergien oder Unverträglichkeiten vor, ihren Kindern kein eigenes Essen oder Trinken mitzugeben. Oft sorgt es für Unruhe wenn einzelne Kinder zwischendurch ihr eigenes Essen auspacken. Außerdem möchten wir Eltern ermuntern, dies als Chance für ihr Kind zu sehen gegebenenfalls unbekanntes Essen auszuprobieren. Nach getaner Arbeit und in Gesellschaft, schmeckt ein selbstgemachtes Mittagessen doppelt so gut, selbst wenn ein Kind das ein oder andere sonst vielleicht gar nicht mag.

5. Lernort Bauernhof

 

Dieses Angebot richtet sich an Kindergärten und Schule für Aufenthalte am Vormittag, die im Gruppen- bzw. Klassenverband wahrgenommen werden können. 

Mögliche Schwerpunktthemen sind Milch/Käse/Lebensmittelerzeugung, Arbeit auf dem Bauernhof, Wolle/Wollverarbeitung oder Tierbegegnung und können nach Unterrichtsinhalten ausgerichtet werden. 

Bei dem ca. 3 – 4 stündigen Aufenthalt bei uns auf dem Hof stehen Mitanfassen, Miterleben und Mitarbeiten im Vordergrund. 

Viele verschiedene Tiere können die Kinder kennen lernen, wahrnehmen, versorgen. 

Gemeinsames Vesper mit Produkten vom Hof stellt den Bogen her zum Bauernhof als Lebensmittel erzeugender Betrieb. 

Ziele eines Aufenthalts bei uns sind den Bezug zu Landwirtschaft und bäuerlicher Lebensmittelerzeugung zu verdeutlichen und Wirtschaften im Kreislauf der Natur sowie artgerechte Tierhaltung und Umgang zu vermitteln.

6. Jahreskurse

 

Jahreskurse finden bei uns einmal im Monat, mit Pause im Januar und Februar statt. Sie dauern drei Stunden und bestehen aus einer festen Gruppe von circa zehn Kindern.

 

Alles was wir bereits bei den Kindertagen zu Tierkontakt, Umgang mit Lebensmitteln, Lernchancen usw. beschrieben haben, trifft auch auf die Jahreskurse zu. Darüber hinaus bietet der Jahreskurs durch seine Regelmäßigkeit und die kleinere, vertraute Gruppe viele Lern- und Erfahrungsmöglichkeiten.

 

Zu Beginn jedes Termins malen die Kinder in ihr eigenes Heftchen ein Bild, welches thematisch zum Tag passt. Dabei sprechen wir über das Thema, den Monat und die Jahreszeit, sodass die Kinder sich bereits auf die nächsten Stunden einstellen können. Neben dem gewählten Thema werden immer auch einige Tiere versorgt und mit Streicheleinheiten verwöhnt. 

Thematisch orientieren sich die Jahreskurse an den Jahreszeiten und dem Leben auf dem Bauernhof, aber auch Ausflüge in den Wald oder zum Wasser stehen auf dem Programm. 

Wir bepflanzen im Frühjahr unsere Hochbeete, gießen sie bei den nächsten Terminen und können im Spätsommer ernten und uns etwas Leckeres zum Essen zubereiten. Die Kinder erleben wie die Lämmer und Küken kurz nach der Geburt aussehen und wie diese sich in den nächsten Monaten entwickeln. Sie entdecken wie im Frühjahr das erste Gras sprießt und wie im Sommer das Heu geerntet wird. Mahlzeiten werden selbstständig zubereitet, oft am Lagerfeuer oder im Holzbackofen.

 

Dadurch wird der Jahreskreislauf hautnah erlebbar und die Kinder entwickeln eine Vertrautheit mit den Tieren und dem Hof. 

7. Pferdebegegnungsstunden

Pferdebegegnungsstunden finden bei uns in Einzel- oder Zweiergruppen statt und dauern 30 bis 60 Minuten.  Diese Stunden sind keine reinen Reitstunden. Das Pferd von der Weide oder aus dem Stall holen, sowie Putzen und Satteln leiten die Stunde ein. Die Kinder haben in dieser Zeit die Möglichkeit sich auf das Pferd einzustellen und bekommen ein Gefühl dafür, wie das Pferd an diesem Tag gestimmt ist. Gelegentlich folgen dann auch Übungen am Boden, wie das Pferd zum Halten bringen, es vom Boden aus rückwärts zu richten usw. 

Anschließend führen die Kinder das Pferd selbstständig oder mit Hilfe auf den Reitplatz. Anfangs reiten die Kinder geführt im Schritt, oft durch einen kleinen Parcours um ein gutes Gefühl für das Pferd zu entwickeln. Dazu gehört anschließend auch geführtes bergauf und bergab Reiten sowie Reiten über unebenes Gelände. Durch diese unterschiedlichen Bewegungen lernen die Kinder sich auszubalancieren und einen sicheren Sitz zu entwickeln. 

Wenn die Kinder sich soweit sicher fühlen beginnen wir mit Voltigieren. Nun kommt der Trab hinzu und die Kinder können Turnübungen auf dem Pferd durchführen. 

Oft entsteht dann bei den Kindern der Wunsch, das Pferd selbst zu lenken. Dies bauen wir dann regelmäßig gegen Ende der Stunde ein. Irgendwann gehen die Kinder dann zum selbständigen Reiten über, sie haben aber immer die Möglichkeit zu einem früheren Schritt zurückzukehren. 

Durch verschiedene Parcours auf dem Reitplatz oder Ausritte erleben die Kinder abwechslungsreiche Stunden. 

Die Begegnungsstunden laufen für die Kinder vollkommen ohne Leistungsdruck ab. Unser großes Anliegen ist es, den Kinder den Umgang mit den Pferden näher zu bringen und dabei sowohl Interessen der Kinder als auch der Pferde einzubeziehen. Der Umgang mit den Pferden bietet den Kindern die Möglichkeit sich emotional und motorisch weiter zu entwickeln. Ein Pferd ist dem Menschen körperlich vollkommen überlegen. Eine gute Beziehung kann dadurch entstehen, dass der Reiter versucht das Verhalten des Pferdes zu entschlüsseln. Mit Zwang oder Druck können die Kinder nichts erreichen, sie lernen also sich auf das Gegenüber einzustellen um zu einem positiven Ergebnis zu kommen. Außerdem stellt das Reiten hohe Anforderungen an die Motorik und den Gleichgewichtssinn des Reiters. Gefördert werden eine gute Koordination von Hand und Bein, gezieltes Einsetzen des eigenen Gewichts und vorausschauendes Denken. 

Ganz nebenbei lernen die Kinder sich über ihre Körperhaltung gegenüber dem körperlich überlegenen Pferd zu behaupten. Durch eine klare Führung entwickelt wiederum das Pferd Sicherheit und Vertrauen und bestärkt damit das Verhalten des Kindes. 

Durch die kleinen Gruppen unserer Begegnungsstunden ist es uns möglich die einzelnen Termine sehr individuell zu gestalten und dabei immer auch das Wohl des Pferdes im Blick zu behalten.